Weltweit gibt es Orte, an denen Verliebte kleine Schlösser mit ihren Namen befestigen: So genannte Liebesschlösser. Sie sollen zeigen, dass die Liebe ewig hält – auch wenn die Statistiken dagegen sprechen.
Vežbe za nemački jezik, Wort der Woche – Der Saftsack (AUDIO)
Wort der Woche
Der Saftsack
Ist ein Saftsack eine Getränkeverpackung oder etwa ein besonderer Beutel für Fruchtsäfte? Nicht ganz.
Aus dem Begriff Saftsack könnte man Manches machen. Zum Beispiel könnte man eine Getränkeverpackung so nennen. „Kaufen Sie den Saftsack gefüllt mit leckerem Apfelsaft“ – das klingt doch gut. Oder man könnte einen fruchtigen Cocktail zusammenstellen und ihm den Namen „Süßer Saftsack“ geben. Das ist schön und gut. Wer das Wort Saftsack verwendet, denkt jedoch nicht daran, sondern er ist verärgert – zum Beispiel beim Autofahren. Da wird der Vordermann beschimpft: „Hey, du Saftsack, du fährst ja wie ein Anfänger.“ Auch jemand, der nicht so richtig mutig ist, muss sich anhören: „Du Saftsack hast ja gar keinen Mumm in den Knochen.“ Saftsack ist also eine Beleidigung. Allerdings: Einen Saftsack im eigentlichen Wortsinn gibt es auch. Hier die Anleitung: Man nehme ein Leinentuch, gebe das Obst hinein, drehe das Tuch zu einem Beutel zusammen und drücke den Saft aus.
Video vežbe za nemački jezik, Die engste Straße der Welt
Audio vežbe za nemački jezik, Sprachbar – Die Gier
Als Habgier gilt sie gepaart mit Geiz als Todsünde. Gierige können oft den Schlund nicht voll bekommen, jagen hinter dem schnöden Mammon her. Bei mancher Gier kann etwas gelernt werden: der Wissbegier und der Neugier.
Immer wieder bestimmen sie die Schlagzeilen: die skandalösen Machenschaften einiger Manager, die sich ganz offensichtlich auf Kosten anderer bereichert haben – und zwar um Summen, die dem Durchschnittsbürger den Atem stocken lassen. Unvergessen sind zum Beispiel die Zockereien der Börsenmakler großer Banken, die die Weltwirtschaft zuletzt im Jahr 2008 an den Rand des Kollapses gebracht hatten. Die Antriebsfeder: (Geld)-Gier.
Gier und Geiz
Aber nicht nur in der Finanz- und Wirtschaftswelt breiten sich Gier und Habgier aus. Die Gier scheint – wie die Soziologen sagen – ein gesamtgesellschaftliches Phänomen zu sein. Es wird auch manches dazu getan, um sie kräftig anzuheizen. Beispielsweise durch den Werbeslogan „Geiz ist geil“ einer großen deutschen Elektronikhandelskette.
Die entsprechende Werbekampagne wurde zwar 2007 beendet. Geblieben ist der Slogan jedoch als geflügeltes Wort und als Ausdruck für eine bestimmte geistige Einstellung gepaart mit dem entsprechenden Verhalten: wenig zahlen, viel bekommen. Und das auf Kosten anderer, die in Entwicklungsländern für einen Hungerlohn schuften.
Wortgeschichtliche Gemeinsamkeit
Geiz und Gier: Das scheinen Begriffe zu sein, die sich widersprechen, aber dem ist nicht so. Wie eng beide Wörter zusammengehören, zeigt ihre jeweilige sprachgeschichtliche Wurzel. Gier lässt sich auf das mittelhochdeutsche gir – noch ohne den Dehnungsvokal „e“ – zurückführen. Geiz stammt vom spätmittelhochdeutschen giz ab.
Das ist nicht weiter aufregend. Die Grundbedeutung beider Wörter aber zeigt überraschende Nähe: Der Geiz nämlich wird mit Habgier und Gier gleichgesetzt. Das alte gir stand für Verlangen und in adjektivischer Bedeutung für begehrend und heftig verlangend. Eine heutige Definition von Gier wäre diese: ein auf Genuss und Befriedigung, Besitz und Erfüllung von Wünschen gerichtetes heftiges, maßloses Verlangen. Entscheidend sind die Adjektive maßlos und heftig.
Materielle Gemeinsamkeit
Der Geiz hingegen wird in den Fachbüchern im Allgemeinen lediglich als übertriebene Sparsamkeit bezeichnet. Wie eng jedoch Gier und Geiz zusammengehören, führt uns Dagobert Duck vor Augen, der Onkel des wohl bekanntesten Enterichs der Welt, Donald Duck.
Onkel Dagobert ist nicht nur der reichste Enterich der Welt, er ist auch der gierigste. Freilich ist seine Habgier auf Materielles beschränkt, aber da ist er unersättlich. Was er nicht hat, lässt ihn nicht ruhen. Von manischem Verlangen getrieben sucht und findet er immer neue Möglichkeiten, seinen unermesslichen Reichtum zu vermehren.
Die Habsucht und der Gierschlund
Onkel Dagobert ist krank. Streng genommen sogar suchtkrank, denn er ist abhängig von seiner Gier, der Habgier, die nicht von ungefähr auch als Habsucht bezeichnet wird. Es liegt auf der Hand, dass er nicht nur nichts hergeben will, sondern auch nicht kann. Und wenn einmal doch, dann handelt es sich um lächerliche Beträge, die er – wie unter körperlichen Schmerzen – herausrückt, um im selben Augenblick zu überlegen, wie er die paar Kreuzer wieder hereinholen kann.
Wenn es nichts kostet, zeigen sich bei ihm auch durchaus Ansätze von Fressgier, während ihm sexuelle Gier oder die Gier nach Drogen fremd sind. Onkel Dagobert – und da ist er nicht alleine – kann den Hals nicht voll kriegen. Er ist ein wahrer Gierschlund.
Eine der sieben Todsünden
Wäre er ein gläubiger Katholik, würde er höchstwahrscheinlich irgendwann Angst bekommen. Denn Habgier und Geiz gehören zu den sogenannten sieben Todsünden. Und wer nicht rechtzeitig dem Dämon Mammon abschwört, muss damit rechnen, in der Hölle zu schmoren. Der Dämon verleitete einen Menschen nämlich dazu, geizig zu sein. Das glaubte man zumindest im Mittelalter. In der heutigen Alltagssprache wird das Wort Mammon abschätzig als Synonym für Geld gebraucht. Jagt jemand sprichwörtlich dem schnöden Mammon nach, ist er geldgierig.
Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ schrieb 2010 in einer Titelstory über die sieben Todsünden, dass die Habgier die „verlässlichste“ sei. Sie „entzweie Familien, führe Heere gegeneinander, lege Städte in Schutt und Asche, rotte Völker aus und zerstöre die Natur.“ Sie könnte aber auch den Gierschlund selbst in den Abgrund reißen – wie in der griechischen Sage von König Midas und dem Gold.
Eine Parabel
Dieser König bat den Gott Dionysos, ihm einen Wunsch zu erfüllen: dass alles, was er berührte, zu Gold werde. Der Wunsch wurde erfüllt. Zweige, die er abbrach, oder Steine, die er aufhob, verwandelten sich in Goldklumpen.
Allerdings hatte die Sache auch einen Haken: Denn als König Midas essen und trinken wollte, wurde auch das alles zu Gold. Hätte der Gott ihm dann nicht den Wunsch erfüllt, den Zauber rückgängig zu machen, wäre er verhungert und verdurstet.
Neugier und Wissbegier(de)
Aber verlassen wir den Bereich von Habgier und Geiz. Denn schließlich gibt es ja immer noch so etwas wie Neugier und Wissbegier(de). Gegen das Verlangen nach Neuem, dem Streben nach Wissen ist ohne Frage nichts einzuwenden. Es sei denn, es handelt sich um neugierige Nachbarn, die ihren Beobachtungsposten hinter dem Fenster bezogen haben. So kann Wissbegierde keineswegs nur die löbliche Eigenschaft des Wissenschaftlers sein. Wir wagen es, eine Behauptung aufzustellen. Weder Gier noch Geiz sind geil. Wie wäre es denn mit Genuss? Denn wie schrieb schon Seneca der Jüngere: „Den größten Reichtum hat, wer arm an Begierden ist.“
Vežbe za učenje nemačkog jezika, Deutschland sieht fern (AUDIO)
In der Fernsehsendung „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ werden die Kandidaten immer wieder vor laufender Kamera gedemütigt. Trotzdem wird die Sendung von vielen Menschen geschaut.
Seit einigen Jahren sind Fernsehsendungen, in denen Menschen psychisch und körperlich an ihre Grenzen gebracht werden, bei den Zuschauern beliebt. Ein Beispiel: Die Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ des Privatsenders RTL. Sogenannte B- und C-Prominente kämpfen hier im australischen Dschungel um die Gunst der Zuschauer, indem sie bestimmte Aufgaben erledigen müssen. Sie müssen zum Beispiel Insekten essen oder gefährliche Tiere anfassen.
Die Sendung polarisiert: Für die einen ist sie unterhaltsam, für die anderen geschmacklos. Tatsache ist aber, dass sie von vielen gesehen wird und Gesprächsthema in Büros und Schulen ist. Selbst seriöse Zeitungen berichten regelmäßig darüber, was in der letzten Dschungelcamp-Folge, so nennt man die Sendung im Volksmund, passiert ist.
Der Medienforscher Joachim Trebbe erklärt: „Die Show ersetzt für viele den alltäglichen Skandal.“ Denn interessanter als die Ekelprüfungen ist für die Zuschauer, wie die Kandidaten den Alltag im Dschungel meistern. Oft kommt es vor, dass sie Streit haben und sich anschreien. Und solche Konflikte finden die Leute spannend.
Die Kandidaten können von den Zuschauern zum Dschungelkönig oder zur Dschungelkönigin gewählt werden und viel Geld gewinnen. Außerdem bekommen sie durch die Sendung wieder mehr Aufmerksamkeit. Einigen von ihnen hat dies weitere Engagements gebracht. Andere haben jedoch dadurch ihren guten Ruf für immer verloren.
Glossar
jemanden raus│holen – gemeint ist hier: jemanden retten
vor laufender Kamera – während gefilmt wird; während die Kamera an ist
jemanden demütigen – jemanden schlecht behandeln
jemanden an seine Grenzen bringen – jemandem eine Aufgabe geben, die sehr schwer ist
sogenannt – so wie etwas genannt wird, obwohl es keinen offiziellen Namen dafür gibt
B-/C-Prominter, -/Prominente, – – jemand, der nicht sehr bekannt ist oder früher bekannt war
Dschungel, – (m.) – der Urwald
um die Gunst von jemandem kämpfen – alles tun, damit man geliebt wird
etwas erledigen – etwas ausführen; etwas fertigmachen
polarisieren; etwas polarisiert – dafür sorgen, dass die Meinungen über etwas stark auseinandergehen
unterhaltsam – so, dass etwas interessant ist und Spaß macht
geschmacklos – hier: unanständig
seriös – ernsthaft
im Volksmund (m., nur Singular) – gemeint ist: umgangssprachlich
etwas ersetzen – die gleiche Rolle/Bedeutung haben
Skandal, -e (m.) – etwas, das viele Menschen wütend macht
etwas meistern – mit etwas zurechtkommen; etwas schaffen
Engagement, -s (n.) – hier: der berufliche Auftrag eines Schauspielers oder Sängers
guter Ruf (m., nur Singular) – die positive Meinung über eine Person
Audio vežbe za brzo učenje nemačkog jezika, Gebildet
Sprachbar
Gebildet
Bildung ist …? Vielleicht werden Gebildete, die Bildung mit dem Löffel gegessen haben, die Antwort auf die Frage wissen. Und Ungebildete werden ihren Bildungshorizont bildungshungrig erweitern, um sie zu beantworten.
Wer diese Sprachbar zu Ende gehört oder gelesen hat, kann sich gegen eines bestimmt nicht wehren: dass er – zumindest ein bisschen – gebildeter ist. Denn genau darum geht es: um die Bildung. Was für ein Stichwort! Wie viele Debatten und Diskussion wurden und werden nicht über dieses Thema geführt, in manchen Ländern der Erde mehr, in anderen vielleicht weniger? Mancherorts werden Bildungsgipfel einberufen, bei denen wichtige Leute endlos darüber beraten, wie man am sinnvollsten in Bildung investiert und eine Bildungsgerechtigkeit herstellt, damit wirklich jeder in der Gesellschaft Zugang zur Bildung hat. Einig sind sich alle: Gute Bildung ist unverzichtbar! Jeder Mensch sollte ein Recht auf Bildung haben!
Löffelweise Bildung für Eingebildete
Bildung: Dabei handelt es sich um eine unendliche Geschichte – nicht nur in der geschichtlichen Entwicklung der Bildung. Wer zum Beispiel zum Bildungsbürgertum gehört, hat eine andere Meinung zu dem Thema als jemand, der nicht zu diesem elitären Kreis von Akademikern gehört. Mancher Zeitgenosse bildet sich gar ein, er wisse alles. Er findet sich dann selber wahnsinnig gebildet, doch in Wirklichkeit wirkt er nur eingebildet.
Diese Menschen, die sprichwörtlich die Bildung mit dem Löffel gegessen oder gefressen haben, sind ziemlich unbeliebt. Denn sie fangen zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit an, mit ihrem Wissen anzugeben. In den verschiedenen Bildungseinrichtungen, Schulen oder Universitäten zum Beispiel, werden sie spöttisch als Streber bezeichnet. Obwohl die ursprüngliche Bedeutung des Wortes einbilden gar nicht so negativ war: es war etwas, das man sich einprägte.
Lernen und Lehren das einzig Wahre?
Wer das Wort Bildung hört, hat meist das Bild eines Lehrers im Kopf, der versucht, den Schülern irgendeine komplizierte Matheformel an der Tafel zu erklären. Doch ist das wirklich alles, was Bildung ausmacht? Besteht Bildung wirklich nur aus Lernen und Lehren?
Der chinesische Philosoph Konfuzius sagte zum Beispiel einst: „Nehmen wir an, jemand kann alle dreihundert Stücke des Buchs der Lieder auswendig hersagen. Wird ihm aber eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, dann versagt er.“ Ist dieser Mensch dann wirklich gebildet? Denn was bringt ihm dieses Wissen, welchen Nutzen hat es, wenn er es nicht anwenden kann? Ist es da nicht besser, nach einem chinesischen Sprichwort zu handeln, das heißt: „Lehre deinen Nachkommen die beiden wahren Wege: Bildung und Landbau.“?
Bildungshungrig
Bildung ist notwendig, völlig ohne Frage. Nur gut ausgebildete Menschen bekommen gute Arbeitsplätze, ungebildete eher selten. Ein Mensch ohne Bildung ist – so will es ein altes deutsches Sprichwort – wie ein Spiegel ohne Politur. Wer gebildet sein will, muss also ordentlich polieren. Aber nicht jeder, der sich bilden will, hat die Möglichkeit dazu. Denn die Bildungsmöglichkeiten sind ungleich verteilt – in entwickelten Ländern sind sie besser als in unterentwickelten, in der Stadt besser als auf dem Land.
Sich bilden kann man nicht nur in Institutionen wie Schulen und Universitäten, sondern auch in Museen, Theatern und Opern. Auch sie sind eine Form der Bildung. Nicht zu vergessen: Bücher. Wer viel liest – so sagt man–, ist gebildet. Und diejenigen, die bildungshungrig sind, verschlingen die Bücher, natürlich bildlich gesprochen! Wer seinen Bildungshorizont ständig erweitern will, unternimmt noch viel mehr. Er will immer Neues dazulernen, neue Bücher lesen, neue Sprachen lernen, neue Länder bereisen, neue Menschen kennenlernen, und, und, und…
Bildung = Bilden
Von Geburt an werden wir im doppelten Wortsinn gebildet, geformt wie eine Statue durch einen Künstler, der ihr irgendwann den letzten Schliff gibt. Wir lernen zu sprechen, zu laufen und uns eigenständig anzuziehen. Dann gehen wir in die Schule und lernen das Lesen, Schreiben und Rechnen, den Umgang mit Mitschülern und Autoritätspersonen.
Es wird immer anspruchsvoller – bis wir vielleicht eine Universität besuchen. Unser Bildungsweg ist lang und auch nach der Universität noch nicht zu Ende. Wir bekommen jeden Tag neue Bildungschancen, egal in welchem Bildungssystem wir aufgewachsen sind.
Der zweite Bildungsweg
Auch als Erwachsener haben wir die Möglichkeit, uns weiterzubilden, indem wir auf Fortbildungen gehen. Dort bildet uns dann jemand in einem bestimmten Bereich noch mal zusätzlich aus – wir eignen uns noch mehr Wissen an. Oder wir machen unseren Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg – zum Beispiel in der Abendschule –, weil wir zu einem bestimmten Zeitpunkt keine Lust mehr auf schulische Bildung hatten.
Unser Leben scheint sich also um Bildung zu drehen. Wie gut ist es doch, dass wir sie haben! Denn hätten wir uns nicht weitergebildet, würden wir womöglich immer noch in Höhlen leben und Wände bemalen – was übrigens die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Bildung ist: ein geschaffenes Bildnis. Erst im 18. Jahrhundert taucht er In Deutschland als pädagogischer Begriff auf.
Verbildet?
Nach so viel Bildung bleibt eine Frage übrig: Gibt es ein Zuviel? Kann jemand verbildet sein? Die Alltagssprache lässt den Begriff zumindest zu. Eine mögliche passende Antwort hat der englische Politiker George Savile, Marquess of Halifax gegeben. Er soll den Satz geprägt haben: „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat.“








